Samstag, 14. März 2015

Und endlich

Es läuft Werbung im Radio, als wir mit dem Auto frontal gegen den blauen Pkw stoßen. Keine Musik, kein passendes Lied wie in einem Film. Es ist ein Werbespot über Waschmaschinen, glaube ich. Das ist das letzte, was ich höre vor dem ohrenbetäubenden Krachen und Splittern undZerbersten. Die Motorhaube des blauen Pkws bahnt sich ihren weg auf mich zu. Die Stimme des Werbesprechers ist verstummt. Mein Anschnallgurt schnürt mir die Luft ab. Ich sehe, wie meine Eltern auf dem Fahrer- und Beifahrersitz zerquetzerquetscht werden. Ich rieche das Blut. Ich schmecke meine eigene Galle. Und ich höre die Stille, diese unendliche Stille nach dem Krachen und Splittern und Zerbersten. Heißer Schmerz durchschießt meine Beine, die Waden, die Knie, die Schenkel und schließlich meinen ganzen Körper. Heißer glühender Schmerz, der zuletzt nach meinem Herzen greift und es in seiner Hand in tausend Splitter zerspringen lässt, und die Scherben meines Herzen regnen auf mich hinab in der Gestalt der zerspringenden Windschutzscheibe, rot vom Blut meiner Eltern und getränkt in die Tränen des Regens. Und endlich sterbe ich.

"Rebecca?" Ich schrecke aus dem Halbschlaf hoch, in den ich gefallen bin und richte mich auf.

Samstag, 14. Februar 2015

Valentinstag

Ich gehe die Straße entlang und sehe gelangweilt in die Schaufenster. Rote Herzen, rote Luftballons, rote Kerzen, rote Postkarten, rote Rosen - ja, es ist die Woche vor dem Valentinstag und die ganze Welt spielt verrückt. Ich habe das Gefühl, dass nur ich sehe welchen Profit die Geschäfte aus diesem nutzlosen Tag ziehen. All die verliebten Pärchen spazieren händchenhaltend in die Läden und kommen um viel Geld ärmer wieder hinaus. Ich stattdessen sehe mir die Sachen an und möchte mich am liebsten in den nächsten Mülleimer übergeben und meinem Frühstück noch ein mal Hallo sagen. Nein, ich brauche diesen Tag nicht. 

Es ist Valentinstag. ICH mag ihn und all diesen kitschigen Kram, den es zu diesem Anlass zu kaufen gibt. In meinem kurzen Text kommt die Meinung anderer hervor, die keinen Sinn in diesem Tag sehen, denn ich überlasse jedem die Möglichkeit,  seine Meinung dazu zu äußern und ehrlich gesagt kann ich jeden verstehen, der so denkt. Ich mag diesen Tag erst seit ich in einer Beziehung bin. Trotzdem kenne ich natürlich auch Pärchen,  die sich nichts aus diesem Tag machen. Jedem das seine ;-)
Für mich geht es jetzt gleich ins Kino, deswegen fasse ich mich so kurz. Bis demnächst,
Eure Anna

Freitag, 30. Januar 2015

Meine Stimmen

Ich höre die Stimmen immer wieder in meinem Kopf. Die Leute, die mich hier eingesperrt haben, denken ich sei verrückt. Niemand spricht es aus, aber alle glauben es. Ihre Gedanken sind so laut, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme. Nur die Stimmen helfen mir. Sie beruhigen mich, bleiben bei mir, lassen mich nicht alleine. Sie sagen mir oft, dass mit mir und meinem Kopf alles in Ordnung ist, und ich glaube ihnen.
Ich bin mir sicher, dass viele Leute erst hier drinnen verrückt werden. Wie sollte das auch anders sein? Graue Wände, grauer Boden, graue Decke. Graues Bettzeug, graues Essen, graue Kleidung, graue Menschen. Alles grau. Nur die Stimmen sind bunt. Die Stimmen in meinem Kopf. Mal laut, mal leise, mal männlich, mal weiblich, meist fröhlich und munter. 
Ich für meinen Teil war weder da draußen verrückt, noch bin ich es hier drinnen. Ich weiß nicht, was ich hier soll. Zu meiner eigenen Sicherheit soll es sein. Dabei war ich überall und immer sicher. Nur hier, in diesem großen Haus, mit den vielen fremden Menschen mit irren Blicken, da fühle ich mich nicht sicher. Ich verlasse deswegen nicht sehr oft mein Zimmer. Bleibe lieber hinter verschlossener Tür, alleine mit meinen Stimmen. Nicht, dass ich Angst habe, dass mir jemand meine Stimmen wegnimmt. Nur manchmal, wenn mein Zimmernachbar über den Flur kommt und durch das kleine Fenster an meiner Tür guckt, dann habe ich Angst um meine Stimmen. Sie gehören schließlich mir, mir ganz alleine. 
Ich erzähle niemandem von meinen Stimmen. Nicht mehr. Als ich einmal Jemandem von ihnen erzählt habe, bin ich hier drin gelandet. Wegen den Stimmen und wegen dem, was ich getan haben soll. Ich habe nichts getan. Die Männer und Frauen in Kitteln sagen, ich habe etwas schlimmes getan. Ich weiß nicht, was sie meinen, aber es muss mit dem Blut zusammenhängen, den roten Flecken an meinen Kleidern, mit denen sie mich hergebracht haben. Es waren meine Kleider, sie haben mir gehört, mir ganz alleine. Ich habe die Flecken gemocht. Ich mag rot. Warum ich verrückt sein soll, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, was ich hier soll und warum ich hier bin. Die Stimmen sagen, dass mit mir und meinem Kopf alles in Ordnung ist, und ich glaube ihnen. 


Hallo!

Was das soll, weiß ich auch nicht genau, also fragt lieber nicht nach. Es ist mir einfach so eingefallen und ich habe es aufgeschrieben: die Gedanken einer Person in einer Irrenanstalt. Ob er oder sie verrückt ist, müsst ihr entscheiden. ;-)

Bis demnächst,
Eure Anna

Dienstag, 20. Januar 2015

Wartezimmer

Hallo ihr!

Nun neigt sich der erste Monat des neuen Jahres ja auch schon dem Ende zu, und hier findet sich immer noch kein Wort einer Geschichte. Es ist nicht so, dass ich gar nichts geschrieben hätte, das habe ich nämlich. Nur leider bin ich - wie (denke ich) jeder Mensch, der schreibt - sehr selbstkritisch mit mir und mit dem, was ich auf's Papier bringe. Da ich aber weiß, dass ich ganz dringend wieder posten und euch an meinen Gedanken teilhaben lassen muss, überwinde ich mich heute.
Vor einigen Tagen saß ich im Wartezimmer beim Arzt und wusste, ich würde mindestens eine Stunde warten müssen. Also habe ich meinen kleinen Notizblock herausgeholt, den ich immer in meiner Handtasche mit mir rumschleppe, habe den Stift angesetzt und erstmal eine ganze Weile auf das leere Papier gestarrt. Wahrscheinlich wurde ich von den anderen Wartenden dafür ziemlich verwundert angesehen, aber (obwohl ich natürlich weiß, dass das die falsche Methode ist, um etwas sinnvolles in Worte zu fassen) ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, JETZT etwas zu schreiben. Dabei herumgekommen ist folgendes:

Ich sitze in einem kleinen Raum mit acht Stühlen. Die Wände sind orange und gelb, sie strahlen so fröhlich als wäre heute der schönste Tag, den sie als Wand erleben dürfen. An einer von ihnen sind zwei große Fenster, hinter denen der wolkenfreie Himmel zu erkennen ist. Sie verspotten die Wartenden dafür, dass sie sich Drinnen befinden. In der Mitte des Raumes steht ein Tisch und auf dem Tisch liegen Zeitschriften, die auch für den Rest der Zeit, die ich hier heute verbringen werde, von mir unberührt bleiben werden. Auf sieben der acht Stühle sitzen andere Menschen, unterschiedliche, teilweise befremdliche Personen. Eine junge Frau, vielleicht 25, dünn, etwas mager, mit Ringen unter den Augen, in ihren Händen eine der Zeitschriften, für die ich kein Interesse zeige. Daneben ein alter Herr, mit Mantel und Hut, als rechne er damit, dass er den Raum eilig würde verlassen müssen. Sein Blick wandert immer wieder über die anderen Wartenden. An seiner Seite sitzt eine ebenfalls alte Dame; sie legt dem Herrn immer wieder beruhigend die Hand auf das Bein. An der gegenüberliegenden Wand, an der mit den verspottenden Fenstern, sitzen drei Personen: Ein Junge, etwa 16, mit zerfetzten Jeans, schwarzer Lederjacke und Nasenpiercing. Er starrt gelangweilt auf sein Handy und beachtet den Rest der Welt nicht weiter. Ein Mädchen und seine Mutter; die Mutter trägt strenge Klamotten und hat diese typische Hausfrauen-Frisur, und auch in ihren Händen liegt eine Zeitschrift; das Mädchen ist so um die sechs Jahre alt, ihr glattes Haar fällt ihr teilweise vor das Gesicht und sie summt leise eine Melodie vor sich hin, sodass sie glatt in einem Horrorfilm mitspielen könnte, in einem von denen, wegen denen man, nachdem man sie gesehen hat, erstmal einen Bogen um kleine, gruselige Mädchen mit langen glatten Haaren macht. 
Ich sitze an der Wand gegenüber von der Wand mit der Tür. Neben mir sitzt ein Mann mitte 40, er hustet beinahe ununterbrochen, sitzt gekrümmt und ich bin mir fast sicher, dass er mich (mit was auch immer) anstecken wird, wenn die Arzthelferinnen ihn nicht bald aufrufen. 
Alles in allem ist dieser kleine Raum mit den freundlichen Wänden, den Fenstern, die einen dafür auslachen, dass man den Vormittag in diesem Wartezimmer verbringen muss, und dem Tisch mit den uninteressanten Zeitschriften mehr als voll, keiner traut sich laut mit jemand anderem zu reden, jeder versucht, Blickkontakt zu meiden und sogar die Wände, die Fenster und der Tisch schweigen sich an.
Mitten unter ihnen sitze ich, meinen Notizblock auf den Beinen, einen schwarzen Stift in der Hand, den Blick ab und zu erhoben, damit ich die Leute betrachten kann, die darauf warten, ins Behandlungszimmer zu dürfen, und die Worte, die meine Finger, meine Hand und mein ganzer Arm durch den Stift auf das Papier bringen. Vielleicht bin ich die befremdlichste Person in diesem Raum, aber das ist mir egal.

Ich finde es immer wieder amüsant, wie viel einem, wenn man schreibt, über ein ganz gewöhnliches Wartezimmer einfällt. Wirklich sinnvoll ist das Ganze natürlich nicht, aber darum geht es beim Schreiben auch nicht. Es geht darum, Übung zu bekommen, da ist es völlig egal, WAS man schreibt. Hauptsache schreiben.

Bis bald hoffentlich,

Eure Anna


Dienstag, 30. Dezember 2014

Weihnachten, Feiertage, Silvester, Neujahr...

Hallo zusammen!

Nun ist es ja echt lange her, dass ich etwas geschrieben habe. Ich hoffe, ihr verzeiht mir, wenn ich das auf die Feiertage und deren Vorbereitung schiebe. Es mussten Geschenke gekauft und verpackt werden, die Familie hat nach meiner Zeit verlangt, ich musste in Monopoly verlieren, dann war Heiligabend mit großer Bescherung, die Feiertage (ganz relaxt) und dann direkt im Anschluss Vorüberlegungen bezüglich Silvester, noch der ein oder andere Termin und schwups - schon ist eine Menge Zeit vergangen seit dem letzten Post.
Ob ich zum Schreiben gekommen bin? Bisher leider so gut wie gar nicht. Dafür habe ich aber zu Weihnachten einen Füller geschenkt bekommen (habe mich gefreut wie ein kleines Kind über sein Spielzeugauto!). Ich hatte ihn mir vorher schon ausgesucht und dann nur noch gehofft, dass ich ihn auch bekomme, und tada: ein Echtholz-Füller von Faber Castell! Klasse! Und nach Silvester werde ich auch hoffentlich dazu kommen, damit die Seiten meines Notizbuches zu füllen. (Bei Gelegenheit lasse ich euch ein Foto zukommen, ich bin einfach total begeistert von diesem Füller!)
Falls ich morgen nicht mehr dazu komme, mich hier noch mal zu melden, wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und einen tollen Start ins Jahr 2015! Feiert ordentlich und nehmt euch ein paar Vorsätze für's neue Jahr vor!
(Meine Vorsätze? Unter anderem eine Kur, der Beginn des Studiums, ein Urlaub in den Bergen, die Belegung des ein oder anderen Volkshochschulkurses, viel Sport, eine Menge Schreiben (dafür natürlich fantastische Ideen haben) und einfach glücklich sein!)

Kommt gut rüber, ihr Lieben! Bis demnächst,

Eure Anna

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Altes


Der Strick liegt locker um meinen Hals, meine Füße stehen fest auf dem Boden. Noch. Ich lasse meinen Blick schweifen, sehe in ausdruckslose Gesichter. Eines fehlt. Er ist nicht gekommen. Wie könnte ich es auch von ihm verlangen? Ein Geräusch ertönt, anfangs leise und zögerlich, doch dann wird es lauter, immer lauter. Trommelwirbel. Ich nehme alles um mich herum wahr, und doch nichts von dem, was passiert. Der Geruch nach Feuer dringt in meine Nase, mein Blick wird hektisch, suchend. Der Gedanke, den ich versucht habe zu verdrängen, ist nun so deutlich, er liegt in der Luft als könnte man danach greifen. Mein Herzschlag beschleunigt sich, mein Atem geht schneller. Ich weiß, was jetzt kommen wird, aber noch bin ich nicht bereit dazu. Rauch. Hinter den Burgmauern steigt Rauch auf! Gerade fasse ich neue Hoffnung, da geschieht es. Die Trommeln verstummen, der König nickt – es ist nur ein ganz kurzes Nicken, doch es genügt, um mir auch die letzte Hoffnung zu nehmen. Ich höre die Schritte hinter mir, den lauten Atem des Henkers. Unter mir tut sich der Boden auf.
Jetzt. Jetzt ist es so weit. Jetzt sterbe ich.

Hallo mal wieder! 
Der Urlaub ist vorbei, vom sonnigen Strand ging es am Samstag wieder zurück in die verregnete Heimat. Leider bin ich während der Woche nicht dazu gekommen, etwas neues zu schreiben, deswegen habe ich hier etwas altes für euch. Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich immer über Geschichten aus dem Mittelalter geschrieben. Zu der Zeit haben mich die Bücher und Filme, in denen es um Ritter, Könige und Königinnen, tapfere Männer und die Unterdrückung der starken Frauen geht, einfach am meisten fasziniert, und deshalb wollte ich auch über diese Zeit schreiben. 
Das hier ist ein kleiner Auszug von etwas, das nie fertig geworden ist. Es handelt sich dabei um den "Prolog" (wenn man es so nennen kann, da es schließlich nicht fertig geworden ist und ich nicht weiß, ob ich es noch zuende schreibe). Ich hoffe, es gefällt euch.
Bis bald,
Eure Anna




 

Freitag, 5. Dezember 2014

Urlaub

Hallo zusammen!

Da ich morgen für sieben Tage mit meinem Freund ans Meer fahre (worauf ich seit Wochen sehnsüchtig warte), werde ich euch jetzt eine Woche lang nichts hinterlassen können. Ich werde aber versuchen, dort ans Schreiben zu kommen, damit ihr danach wieder etwas zu Lesen bekommt.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende, einen schönen zweiten Advent und dann eine noch schönere Woche voller Adventskalenderschokolade und Weihnachtsvorfreude. Ich für meinen Teil werde viel am Meer spazieren gehen und mich in meiner gemütlichen Ferienwohnung einkuscheln, hoffentlich bei eisigen Temperaturen, damit das Einkuscheln auch Spaß macht.

Bis demnächst,
Eure Anna

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Der erste Schnee

Ein kleines Mädchen, nicht älter als fünf Jahre, mit goldblondem Haar und blasser Haut, steht auf der Straße und starrt in den wolkenbedeckten Himmel. Obwohl es eisig kalt ist, friert das Mädchen in seinem dünnen Jäckchen nicht. Es steht regungslos da, die kleinen Hände zu Fäusten geballt, die Lippen fest zusammengepresst. Heute ist der Tag vor Heiligabend und es hatte dieses Jahr immer noch nicht geschneit. Doch jetzt sollte es endlich so weit sein.
Die Luft ist so kalt, dass der Atem des Mädchens gefriert, sobald er seinen Mund verlässt. Seine Finger sind rot, seine Lippen bläulich, und dennoch bleibt es stehen. Wenn man das Mädchen weiter beobachtet, so sieht man, wie seine Augen sich langsam weiten, wie der Mund sich leicht öffnet und es zu einem erstaunten Oh ansetzt. Kleine kristallförmige weiße Schneeflocken fallen vom Himmel. Die erste von ihnen, eine große und runde, landet auf der nun ausgestreckten Hand des Mädchens. Fasziniert beobachtet dieses, wie der kleine Kristall in ihrer kleinen Hand schmilzt, während weitere dieser kleinen Kristalle um sie herum auf dem Boden landen. Ein freudiges Lächeln breitet sich auf dem Gesicht des jungen Mädchens aus, es streckt die Arme aus und beginnt, übermütig im Kreis zu tanzen. Erst, als die Straße von einer dünnen Schneeschicht bedeckt ist, rennt es ins Haus, um seinen Eltern davon zu erzählen, dass es schneit.

Gestern Abend wollte ich noch etwas schreiben. Worüber, das war mir im Prinzip völlig egal. Ich finde es immer wieder faszinierend, einen ganz einfachen, vielleicht sogar alltäglichen Vorgang zu beschreiben. Zum Beispiel schrieb ich bereits über das Schwimmen, über eine Person, die einen Kopfsprung ins Wasser macht, über Jemanden, der eine Tasse Tee vor dem Karmin trinkt, über ein Kind, das die Straße überquert.
Dieses Mal habe ich über den ersten Schnee geschrieben. Natürlich könnte man sagen: "Ein Mädchen steht auf der Straße und wartet auf den Schnee. Als dieser fällt, freut es sich." Damit hätte man das ganze in zwei Sätzen abgehakt. Aber ich finde es gerade interessant, etwas so normales so ausführlich zu beschreiben.
Vielleicht bekommen wir auch bald den ersten Schnee (Viele haben ihn bestimmt schon, aber wir hier in unserem Dörfchen sind noch nicht so weit).

Ich wünsche euch eine schöne Vorweihnachtszeit!

Eure Anna






Sonntag, 30. November 2014

Megan Catherine Lee

„Das ist kompliziert….“

„Das ist kompliziert", sage ich, während meine Augen auf den Boden vor mir gerichtet sind.Wurzeln schlängeln sich über den Weg und bieten Stolpermöglichkeiten; die Erde ist noch feucht vom Regen der letzten Tage, sie gibt unter meinem Gewicht leicht nach; die Luft ist diesig und schwül. 
„Wir wissen doch beide, dass das eine feige Ausrede ist." Chloe läuft hinter mir, ihr Atem geht schneller als meiner, ihre Schritte sind lauter, unbeholfener. Für gewöhnlich schließt sie sich meinen morgendlichen Trainingseinheiten nicht an, doch da ihr Sportlehrer sie durchfallen lässt, wenn sie nicht besser wird, hat sie keine andere Möglichkeit als diese. Ich laufe jeden Tag. Laufen tut gut, es lenkt mich ab und hält mich am Leben.
„Es ist keine Ausrede. Was soll ich denn da?" „Wie wäre es mit tanzen, trinken und einfach Spaß haben?“ Sie klingt bereits genervt. Diese Party ist seit einer Woche unser Diskussionsthema. Chloe geht gerne feiern und trinkt gerne zu viel Alkohol. Wenn ich ehrlich bin, dann war ich ihr bis vor gar nicht allzu langer Zeit sehr ähnlich. Doch seit mein zwei Jahre jüngerer Bruder Ben mit seinen sogenanten Freunden im See nahe unseres Wohnortes betrunken schwimmen gegangen und beinahe ertrunken ist, meide ich sowohl das Wasser, als auch den Alkohol oder betrunkene Menschen. Das Ganze ist heute ziemlich genau eine Woche her. Und seit genau dieser Woche liegt Ben im örtlichen Krankenhaus und alle warten darauf, dass er wieder zu Bewusstsein kommt.Meine Eltern wachen beinahe jede Minute über ihn, aber es sieht nicht gut aus. Wenn er stirbt, werden sie mir die Schuld geben. Sie werden -
„He, Erde an Megan?“, schnauft Chloe. Ich bleibe stehen und stelle fest, dass sie bereits einige Meter hinter mir Halt gemacht hat und sich nun an den Stamm einer alten Eiche lehnt. Sie macht einen Schmollmund und sieht mich aus großen Augen an. „Bitte, Megan.“ 
Ich müsste nein sagen, das weiß ich. Ein Nein wäre vernünftig, aber es würde auch bedeuten, dass ich einen weiteren Abend entweder alleine Zuhause oder mit meinen Eltern, die mich kaum eines Blickes würdigen, am Bett meines Bruders sitzen müsste. Das Wort geht mir leichter über die Lippen, als ich gedacht hätte. "Okay."

Der Mann, Dr. Kinsley, macht sich einige Notizen. "Sie lassen den Anfang bewusst aus. Wie war das mit ihrem Bruder? Wie konnte es dazu kommen?" Seine Fragen machen mich nervös, ich rutsche auf dem weichen Sitzpolster ein wenig von links nach rechts. Ein Blick zur Uhr zeigt, dass kaum Zeit vergangen ist, seit ich den Raum betreten habe. Meine Augen verfolgen den Sekundenzeiger, wandern dann über die blaue Wand, hinunter zu dem roten Fleck. 
"Miss Lee, geben Sie sich die Schuld an dem Unfall Ihres Bruders?" Das erste mal schaue ich ihn an. Die braunen Haare, das runde Gesicht, die grünen Augen. Schlanke Hände, lange Finger. Ein Füller in seiner Hand, mit dem er seine Notizen macht. Er hält ihn mit der linken Hand. Ein Linkshänder. Ben war Linkshänder. 
"Antworten Sie mir bitte." Meine Finger krallen sich in meine Oberschenkel, der leichte Schmerz fühlt sich gut an.
"Meine Eltern gaben mir die Schuld."

Freitag, 28. November 2014

Post!

Hallo ihr Lieben!

Am Donnerstag kam ich nach Hause und fand ein an mich adressiertes, kleines Paket vor (Vielleicht erwähne ich gleich zu Anfang dass ich es liebe, Post zu kriegen!). Ich wurde natürlich sofort neugierig, von wem es war und was darin sein könnte. Also machte ich mich daran, es zu öffnen, und siehe da: ein Buch! Aber nicht irgend ein Buch. Meine Tante Jutta (http://juttawilke.blogspot.de/) hat sich meinen Blog angesehen und daraufhin sofort dieses Paket losgeschickt. Jetzt wollt ihr natürlich wissen, was für ein Buch sie mir zukommen gelassen hat. Nämlich "Schreiben in Cafés - Kreatives Schreibtraining" von Natalie Goldberg!


Am selben Abend noch habe ich jeglichen anderen Lesestoff beiseite gelegt und zu Natalie Goldbergs Werk gegriffen. Ich bin hellauf begeistert!
In ihrem Buch fasst die Autorin (außerdem ist sie auch Dichterin und Dozentin) ihre Methoden des kreativen Schreibtrainings zusammen. Es lässt sich wunderbar lesen, auch wenn man mal nur ein paar Minuten Zeit hat, weil jedes Kapitel kurz, knapp und in sich abgeschlossen ist.
Alles schön und gut, aber was ist denn nun "kreatives Schreibtraining"? Ich habe noch nicht das ganze Buch gelesen und selbst wenn ich das hätte, würde ich euch nicht den ganzen Inhalt wiedergeben können. Zum jetzigen Zeitpunkt (ich bin ungefähr bei der Hälfte des Buches) kann ich sagen, dass die wichtigste Regel, um erfolgreicher Schriftsteller oder Dichter oder sonst etwas zu werden, ist, dass man jeden Tag schreibt. Das ist das sogenannte Schreibtraining. Laut Goldberg kann dabei der allergrößte Mist (t'schuldigung für den Ausdruck) herauskommen, hauptsache die Hand bleibt in Bewegung und das Schreiben wird geübt.
Und genau das werde ich versuchen (richtig, das habe ich bisher noch nicht getan) und falls dabei mal etwas herumkommt, das sich sehen lassen kann, dann werdet ihr es natürlich zu sehen bekommen!

Ich empfehle dieses Buch allen, die selbst schreiben, denn (und so habe ich es auch meiner Tante gesagt, als ich mich noch ein mal bei ihr bedankt habe) ich kann kein Kapitel lesen, ohne selbst etwas schreiben zu wollen! Ich habe sogar an manchen Stellen am Rand Notizen gemacht, weil ich am liebsten sofort losgeschrieben hätte.

Mit besten Grüßen,

Eure Anna

Sonntag, 23. November 2014

Mein Schreiben: Wann?

Angefangen zu schreiben habe ich vor einigen Jahren, und meinem derzeitigen Alter entsprechend sind die Texte, wenn man sie heute liest, eher amüsant als spannend oder fesselnd. Aber irgendwo muss jeder anfangen, um sich dann mit der Zeit zu verbessern.
Damals (ich sage immer damals, dabei ist das ja eigentlich Schwachsinn; es ist gerade mal um die 5 Jahre her) habe ich sehr oft geschrieben, und zwar immer dann, wenn mir etwas einfiel. Das war meistens nur ein winziger Teil einer Geschichte, vielleicht ein Gespräch zwischen zwei Figuren oder die Gedanken eines möglichen Protagonisten. Dann habe ich mich hingesetzt, an diesem Punkt der Geschichte angefangen und einfach drauf los geschrieben. Daran liegt es wohl hauptsächlich, dass ich größtenteils unfertige Geschichten geschrieben habe.
Mit der Zeit habe ich weniger geschrieben. Ich hatte länger Schule und musste mehr lernen, also war weniger Zeit zum Schreiben, und ehrlich gesagt kamen mir dadurch auch seltener Einfälle. Ich schrieb (wenn überhaupt) nur noch abends, und nie lange am Stück.
Dann war ich im April diesen Jahres mit der Schule fertig, es folgten nur noch die Abiturprüfungen. Jetzt will man meinen, dass ich dann ja genügend Zeit für's Schreiben hatte. So war es auch, nur leider habe ich mich über die Jahre immer mehr vom Schreiben entfernt, sodass ich in den Wochen und Monaten, in denen ich eigentlich nichts zu tun hatte, außer das Leben mit Abiturabschluss zu genießen, kaum ein Wort geschrieben habe.
Eine meiner Freundinnen hat mich immer wieder dazu gebracht, über einen neuen Blog nachzudenken und mich wieder mit den Schreiben zu befassen. (Vielleicht stattet ihr ihrem eigenen Blog mal einen Besuch ab, sie ist nämlich momentan in Ghana und berichtet von ihren Erlebnissen. Ich sage nur: Es lohnt sich sehr! http://lughanaca.blogspot.de/ )
Nun schreibe ich so oft es geht, egal zu welcher Tageszeit!

Eure Anna

P.S.: An dieser Stelle ganz liebe Grüße nach Ghana an dich, Luca!

Mittwoch, 19. November 2014

Gesehen, Gedacht, Geschrieben


Ich stehe am Meer, meine nackten Füße versinken im feuchten Sand, meine Augen suchen den Horizont ab, ohne dass ich weiß, was ich zu entdecken hoffe. Ich sehe nichts als die unendlichen Weiten des Meeres. Auch als ich den Kopf schief lege, kann ich nichts entdecken, was über den Horizont hinaus ginge. Doch als die Sonne hinter einer der wenigen Wolken hervorkommt und das Wasser zu glitzern anfängt, spüre ich die Magie dieses Augenblicks, seine Schönheit. Und ich verspüre Hoffnung.

-

Ich stehe im Sand am Fuße der Dünen und blicke Richtung Meer. Das Mädchen, nach dem ich gesucht habe, steht am Rande des Wassers und starrt zum Horizont; ihre Haare sind vom Wind zerzaust, ihre Jeans feucht von der Gischt. Sie steht vollkommen regungslos da, die Hände in die Taschen ihrer Jacke vergraben, den Kopf leicht schief gelegt. Ich beginne, mich ihr mit vorsichtigen Schritten zu nähern, und mit jedem Centimeter werde ich nervöser. Dieses Mädchen, das dort so alleine und nachdenklich am Rande der Unendlichkeit steht, bedeutet für mich Hoffnung. Hoffnung auf lang ersehntes Glück. 


Als ich auf den Auslöser gedrückt und das Foto geschossen habe, haben sich diese Worte in meine Gedanken geschlichen und verlangt, aufgeschrieben zu werden. Es ist unglaublich, wie einzelne Bilder oder Momente unsere Gedanken und unsere Fantasie beeinflussen und lenken können. Wir müssen es nur zulassen.

Anna

Sonntag, 16. November 2014

Aller Anfang ist schwer




„Miss Lee, Sie sind hier um mit mir über den Grund Ihres Selbstmordversuches zu sprechen. Vielleicht sollten wir ganz zu Anfang beginnen. Erzählen Sie mir wer Sie sind.“
Ich sitze in einem blassblau gestrichenen Raum auf einem quietschgelben Sessel, dessen Sitzpolster so durchgesessen ist, dass ich das Gefühl habe, darin zu versinken. Der Mann, der gesprochen hat, sitzt an einem Schreibtisch links von mir; ich höre den Lederbezug seines Stuhles knarzen, höre wie sein wippendes Bein an die Tischkante stößt. An der Wand mir gegenüber hängt eine Uhr, ihr Sekundenzeiger schreitet unweigerlich voran und gibt jede Sekunde ein leises tick von sich. Ich falte meine vom Schweiß feuchten Hände im Schoß und starre auf die Schreibtischlampe. Der Mann sieht mich aus freundlichen grünen Augen an. Tick – tick – tick – tick. Ich zwinge meine Hände sich zu beruhigen. Tick – tick – tick.
„Ich heiße Megan Catherine Lee. Ich bin 17 Jahre alt. Ich lebe mit meiner Familie in Lakeshire. Ich besuche die örtliche High-School.“
Stille. Ich hole leise und tief Luft und warte auf seine Reaktion.
„In Ordnung. Erzählen Sie mir von Ihrer Familie.“ Tick – tick – tick – tick. Auf dem Teppich vor meinen Füßen entdecke ich einen Fleck, klein und rot und rund. Unaufhaltsam schieben sich die Bilder vor meine Augen, Erinnerungen. Ich lege den Kopf schief und starre auf den Fleck. Heller Teppich, roter Fleck. Vielleicht Wein? Meine Hände werden erneut unruhig, meine Finger brauchen eine Beschäftigung, finden aber keine. Ich ziehe eine Büroklammer aus meiner Hosentasche. Beschäftigen. Tick – tick. Immer beschäftigen.
„Miss Lee?“ Eine Stimme? Sie passt nicht zu den Bildern in meinem Kopf. Rot. Rote Flecken auf hellem Untergrund. „Miss Lee. Megan. Können Sie mich hören?“ Ich hebe den Kopf und sehe dem Mann in die Augen. Das Grün ist hell wie das Gras im Sommer im Licht der Sonne.
„Meine Familie?“, frage ich und bringe etwas zustande, was als Lächeln durchgehen könnte.
„Ja, erzählen Sie mir von ihr. Es gab wohl einige Probleme? Worin haben sich diese geäußert? Erzählen Sie es mir.“ Probleme. Ich wiederhole in Gedanken, was er gesagt hat. Worin haben sich die Probleme geäußert? Wo fing es an? Wo…?
„Das ist kompliziert….“ 



Hier haben wir einen kleinen Auszug von etwas, das wohl als Schreibversuch durchgehen könnte. Und auch wenn es mich ein wenig Überwindung gekostet hat, direkt mit etwas selbstgeschriebenem als ersten Post zu starten, wollte ich euch nichts vorenthalten. Es handelt sich hierbei wirklich nur um einen Versuch, die Worte, die mir in den Sinn gekommen sind, zu ordnen und sie wie vernünftig klingende Sätze aussehen zu lassen. Ich hoffe, das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber das müsst ihr entscheiden.
Was ich auf diesem Blog zeigen und veröffentlichen möchte, habe ich schon grob in meinem "Über mich"-Text geschrieben. Alles weitere (ob meine Posts ansprechend für euch sind, welche Themenbereiche des Schreibens und Lesens ich abdecke und in welcher Form ich auf diese eingehe, ob ich es schaffe, regelmäßig etwas zu posten, ob überhaupt ein einziger Leser seinen Weg zu diesem Blog findet, etc.) müsst ihr selbst herausfinden, und das braucht natürlich seine Zeit. Ich werde mir auf jeden Fall große Mühe geben, aber wie das so ist: Ich verspreche lieber nichts, was ich vielleicht nicht halten kann.
Das war's auch schon für's erste.

Bis bald,
Eure Anna